Nach welcher Formel kann ich den Kaufpreis einer Apotheke berechnen?
Es gibt nicht die eine Formel – sondern mehrere anerkannte Berechnungsmethoden, die je nach Situation unterschiedlich gut passen. Hier die wichtigsten im Überblick:
1. Umsatzmultiplikator-Methode
Goodwill = Jahresumsatz × Faktor (0,2 – 0,8)Die gebräuchlichste Methode in der Apothekenbranche. Der Faktor hängt von Lage, Wettbewerbssituation und Mietvertragslaufzeit ab. Eine Apotheke mit stabilem Rezeptumsatz in guter Lage erzielt einen höheren Faktor als eine Apotheke in rückläufigem Marktumfeld.
2. Ertragswertmethode
Goodwill = nachhaltig erzielbarer Jahresgewinn × Kapitalisierungsfaktor (3 – 5)Aussagekräftiger für den Käufer, weil sie zeigt ob sich der Kaufpreis aus den laufenden Erträgen refinanziert. Wird oft von Banken bevorzugt, da sie direkt mit der Kreditfähigkeit verknüpft ist.
3. Mittelwertmethode (Schweizer Methode, angepasst)
Goodwill = (Substanzwert + 2 × Ertragswert) / 3Eine Mischmethode die sowohl den materiellen Wert als auch die Ertragskraft gewichtet berücksichtigt – mit doppelter Gewichtung des Ertragswerts. Wird häufig verwendet wenn Substanz- und Ertragswert stark auseinanderliegen.
4. Cashflow-Multiple-Methode
Goodwill = durchschnittlicher EBITDA der letzten 3 Jahre × Multiplikator (3 – 6)Stärker zukunftsorientiert, da sie die durchschnittliche operative Ertragskraft über mehrere Jahre glättet – weniger anfällig für einmalige Ausreißer in einem guten oder schlechten Jahr.
Gesamtformel (unabhängig von der gewählten Goodwill-Methode):
Kaufpreis gesamt = Materieller Wert (Inventar + Warenlager) + GoodwillWelche Methode ist die richtige?
Es kommt auf die Verhandlungssituation an. Verkäufer bevorzugen oft die Umsatzmethode (höherer Wert), Käufer und Banken die Ertragswertmethode (konservativer und realistischer). In der Praxis wird häufig verhandelt, bis sich beide Seiten in der Bandbreite der verschiedenen Methoden treffen.
Eine professionelle Apothekenbewertung berücksichtigt meist mehrere Methoden parallel und leitet daraus eine plausible Preisspanne ab – das ist solider als sich auf eine einzelne Formel zu verlassen.